„Diese Veganer… Zwingen einem immer ihre Ideale auf und machen auf Weltverbesserer. Die sind doch alle mangelernährt und dürr. Und überhaupt, das kann doch nicht gesund sein?!“

Inzwischen lebe ich 100% vegan. Doch das war nicht immer so, denn wie bereits in vorherigen Beiträgen erwähnt, habe ich mich 2018 für eine vegetarische Lebensweise entschieden. Vorher habe ich Fleisch gegessen, mal mehr und mal weniger.

Ich kenne also beide Seiten der Medaille und habe selber lange zu den Menschen gehört, die Vegan als Extrem empfunden haben.

Verdreht oder? Warum wird der der sich für Empathie entscheidet als Extremist abgestempelt?

Dass niemand Veganer mag, ist natürlich im übertriebenen Sinne gemeint, aber eine Hyperbel ist hier das passende Stilmittel um einen guten Einblick in die Sicht des Veganers zu geben. Sätze wie die obigen sind nämlich Alltag.

Mir selbst passiert das im Privaten sehr oft: Abfällige Bemerkungen, trotzige Reaktionen oder eine abwertende Mimik sind inzwischen ganz normal und ich bin mir sicher, jeder der sich für eine vegane Lebensweise entschieden hat, muss damit umgehen.

Ich habe das alles lange nicht verstanden, besonders weil ich mich selbst immer als angenehm empfunden habe, was dieses Thema angeht: Ich bekehre niemanden, lasse meinen Gegenüber sein Steak essen, höre mir andere Sichtweisen an und sowieso, fange ich nie von alleine an über diese Thematik zu sprechen. Und dennoch wird das Thema durch meinen Gegenüber stetig aufgegriffen. Es ist ein komisches Phänomen: es scheint, als reiche eine einzige Erwähnung dessen, dass man vegan/vegetarisch lebt und der Gegenüber fühlt sich angegriffen.

Anfangs ist mir das sehr schwer gefallen. Ich war oft traurig und wütend über andere Menschen, bis ich reflektiert habe was hinter den Reaktionen der anderen steckt.

Hier sind meine vier Gründe, warum Veganer bei vielen Leuten unbeliebt sind:

1. Es ist fremd

Der Mensch wird in eine Welt hineingeboren, in der es komplett normal ist, Tiere zu nutzen. Den morgendlichen Kaffee trinkt man mit Milch und was wäre der Sonntagsbrunch ohne Speck und Eier? – Es ist so selbstverständlich wie die Tatsache, dass die Erde rund ist. Für viele ist der Veganismus deshalb etwas total Fremdes und der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier. Viele sind kritisch gegenüber dem Fremden und skeptisch gegenüber Neuerungen. Was die Menschen nicht kennen, wollen sie oft nicht annehmen und niemand ändert gerne die Gewohnheiten.

2. Fehlendes Wissen

Einen großen Faktor spielt natürlich die Rolle der Medien, deren Aufgabe das Herstellen einer Öffentlichkeit für politische/wirtschaftliche Themen ist. In den Medien – insbesondere in solchen, die auch ältere Genrationen rezipieren – wird kaum über das Thema berichtet, was natürlich bei vielen Leuten zu Unwissenheit und falschen Vorstellungen führt.

3. Sie zwingen einen, die eigene Lebensweise zu hinterfragen

Die eigene Lebenseinstellung zu hinterfragen ist nicht einfach, besonders weil man dann bei dem Resultat herauskommt, nicht perfekt zu sein. Viele respektvolle Diskussionen enden darin, dass der „Allesesser“ seine Weltanschauung irgendwie rechtfertigen muss und sich selbst zu hinterfragen benötigt viel Stärke. Was daraus folgt ist kognitive Dissonanz. Niemand wird gerne in seiner Lebensweise kritisiert, das führt natürlich zu Gegenwind und Abwehrmechanismen gegenüber der veganen Lebensweise.

4. Stigmatisierung

Es braucht nur eine einzige Person einer kleinen Gruppe schlecht aufzufallen und die gesamte Gruppe wird stigmatisiert. Das sieht man zum Beispiel auch bei größeren Gruppen wie Feministinnen. Da gilt der Konsens Feministinnen seien militant und Männerhasser.

Veganer Stigmatisierung
Immer diese Veganer…

Mein persönlicher Wunsch…

… ist natürlich Veränderung dahingehend. Ich wünsche mir oft, dass die Leute sich mehr auf Neues einlassen, Gewohnheiten durchbrechen und bewusster werden. Dennoch ist mir aber auch wichtig zu sagen, dass die oben aufgegriffene Thematik sich nicht verallgemeinern lässt – man kann nicht alle über einen Kamm scheren, denn es gibt eben auch Veganer, die anecken wollen und wiederum „Allesesser“ die Verständnis und Interesse zeigen.

Kein Mensch ist perfekt und es geht auch in meinen Augen nicht darum perfekt zu sein. Vielmehr geht es darum sein Bestes zu geben, einander Empathie zu zeigen und einander nicht zu diffamieren. <3

About the Author

Lisa Joppich

Ist Tierschützerin aus Überzeugung und studiert Journalismus an der IU internationale Hochschule

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