„Das Tier ist kurz und schmerzlos gestorben, es hat kaum etwas gespürt und selbstverständlich esse ich nur Fleisch von glücklichen Tieren.“ Mit solchen Sätzen legitimieren wir oft das Töten von Tieren und natürlich ist das irgendwo auch unsere Wunschvorstellung oder? Wir wissen ja auf irgendeine Art und Weise, dass Töten nicht okay ist und der Gedanke daran, das Tier habe vorher nicht gelitten und seinen eigenen Tod durch Betäubung nicht erlebt, lässt uns vielleicht besser fühlen und die Schlachtung irgendwie legitimieren. Eine Betäubung sollte das im besten Fall auch erreichen oder? – Nichts zu merken, nicht zu leiden, einfach schnell das Schmerzempfinden wegzuknipsen wie ein kleines Licht.

Methoden der Betäubung innerhalb einer Schlachtung

In Deutschland gibt es verschiedene Methoden der Betäubung von Tieren:

Elektrischer Schock

Die Betäubung durch elektrische Ströme wird vor allem bei Puten, Hühnern, Schweinen und Schafen angewandt. Geflügeltiere werden dabei Kopfüber in ein Wasserbad gehängt, durch das Strom fließt. Die eklektische Methode bei Schweinen und Schafen wird durchgeführt mittels einer Zange, durch die ebenfalls Strom fließt. Der Strom löst einen epileptischen Anfall bei dem Tier aus.

CO2

Die Betäubung durch Kohlenstoffdioxid ist eine gängige Vorgehensweise zum Betäuben von Schweinen. Mehrere Schweine auf einmal werden in eine Gondel gesteckt, diese wird darauf folgend unter die Erde gefahren. CO2-Gas strömt in die Kammer ein und die Tiere erleiden Erstickungsgefühle. Nach einigen Minuten der Qual und mehreren Versuchen der Tiere nach Luft zu ringen, sollen diese bewusstlos werden.

Bolzenschuss

Der Bolzenschuss ist eine gängige Methode für das Betäuben von Rindern, Schafen, Pferden und Ziegen. Das Tier wird in eine sogenannte Fixationsbox gesteckt, um – wie der Name bereits verrät – es zu fixieren. Der Kopf des zu schlachtenden Tieres ist das einzige sichtbare Körperteil. Das Tier bekommt nun einen Schussbolzen durch den Schädel in das Gehirn geschossen. Darauf folgend soll das Tier durch eine Gehirnerschütterung bewusstlos werden. Oft verfehlt der Bolzen das Gehirn, was zu Höllenqualen von Seiten des Tieres führt.

Harter Schlag auf den Kopf

Diese Methode wird vor allem in Hausschlachtungen durchgeführt. Tiere die so betäubt werden sind unter anderem Fische, Hasen oder Geflügel. Die Vorgehensweise dieser Betäubungsmethode erfolgt durch einen harten, stumpfen Gegenstand. Mit dem Gegenstand wird dem Tier auf das Genick geschlagen bis Bewusstlosigkeit eintritt.

Schächtung

Auch gibt es in anderen Kulturen, wie dem Judentum oder dem Islam sogenannte Schächtungen, welche einen religiösen Hintergrund haben. Die wichtigste Vorgehensweise ist hier, dass die Schlachttiere mit einem einzigen tiefen Halsschnitt getötet werden und anschließend ausbluten. Die Tiere erleben also ohne jegliche Betäubung auf grausame Weise ihren eigenen Sterbeprozess und das minutenlang. Innerhalb Deutschlands ist das Schächten ohne Betäubung nicht erlaubt, jedoch wird für Religionsgemeinschaften eine Ausnahme gemacht.

Eine Betäubung, welche also eigentlich Leid reduzieren sollte, erfüllt keinesfalls ihren Zweck. Zudem kommt es leider oftmals zu Fehlbetäubungen und das Tier muss die eigene Schlachtung miterleben. Auch wird immer häufiger durch investigative Recherchen aufgedeckt, wie es hinter den Kulissen eines nach außen „human wirkenden“ Schlachtbetriebs aussieht. So schockt Beispielsweise Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz regelmäßig mit neuen Bildern aus deutschen Schlachtbetrieben. Auch eine aktuelle Recherche von Animal Equality hat mal wieder gezeigt, dass das Image des „tierlieben Schlachthofes“ auf einem Trugschluss basiert.

Was bedeutet Humanität?

Laut der Definition von Wiktionary ist Humanität das Streben nach Menschlichkeit. Als Sinnverwandte Wörter nennt Wiktionary Barmherzigkeit, Einfühlungsvermögen, Nächstenliebe, und als Gegenwörter Bestialität und Barberei. Das humane Handeln drückt sich also vor allem aus durch Empathie.

Ein ethisches Dilemma

Humanität und Tötung sind also zwei Begriffe, die sich gegenseitig ausschließen -ein Oxymoron. Genau wie es keinen friedlichen Krieg geben kann, gibt es auch keine humane Schlachtung. Der Glaube an eine humane Schlachtung ist vielmehr ein Wunschgedanke, der uns besser fühlen lässt, eine Stütze die uns hilft die Augen zu verschließen und eine Ausrede dafür, weiterhin solche Konzerne zu unterstützen.

Wir haben komplett den Bezug zum Tiere töten verloren, was es bedeutet ein Leben zu beenden

Aljosha (Vegan ist ungesund)

Meine Antwort auf die Frage, ob es eine humane Schlachtung gibt oder geben kann lautet also ganz klar: NEIN. Die Wahrheit ist: Nach dem Tod kommt einfach nichts mehr und aus diesem Grund verabschieden wir jeden Menschen der von uns geht würdevoll. Auch unsere Haustiere verabschieden wir angemessen, jedoch verantworten wir gleichzeitig, dass täglich alleine in Deutschland ca. 2 Millionen Tiere geschlachtet werden (Statistisches Bundesamt, 2019). Der Tod ist der Endgegner jedes Lebewesens und niemand hat es verdient, in eine CO2-Kammer gesteckt zu werden, andere Formen von Gewalt zu erfahren oder würdelos zu sterben.

Wie können wir human gegenüber Tieren handeln?

Um wirklich mit allen Lebewesen human umgehen zu können, müssen wir diese erst einmal als solche ansehen. Tiere sind Lebewesen. Tiere sind jedoch nicht unsere Kleidung, kein lebloses Stück Fleisch und auch keine Attraktion. Erst diese Einsicht ermöglicht das humane Handeln: zu beschützen, zu helfen, miteinander barmherzig zu koexistieren und nicht füreinander.

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About the Author

Lisa Joppich

Ist Tierschützerin aus Überzeugung und studiert Journalismus an der IU internationale Hochschule

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