Zur Person

Fransiska hat ihr Studium, den 3fach Bachelor BWL, Kommunikationswissenschaft und Soziologie, im schönen Bamberg absolviert. Im Anschluss arbeitete sie im Medien- und Marketingmanagement sowie im Back-Office für ein kleines Handwerksunternehmen.

Fransiska Schneidereit

Nebenher arbeitete sie in einer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Johanniter Rettungshundestaffel BaWü und am Ende auch als Ausbilderin.

Daraufhin startete sie die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin mit Zusatzseminaren wie SANUM und spezielleren Themen der TCM, Kräuter- sowie Aromatherapie und Ernährung.

Heute ist sie selbstständig in ihrer eigenen Praxis und in der Beratung für einen Futtermittelhersteller im Hunsrück.

Folgende Fragen hat Fransiska mir beantwortet:

Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Durch die Ausbildung zur Rettungssanitäterin und die Arbeit mit den Hunden während meiner Zeit bei der Rettungshundestaffel erwachte mein Kindertraum „Tierärztin“ wieder zum Leben. Vor allem zunächst bezogen auf den Bewegungsapparat und Schmerzen.

Erstmal war dann der Wunsch Physiotherapie und Osteopathie für Tiere im Raum. Da ich allem gerne auf den Grund gehe und mir damals schon im Klaren darüber war, dass Schmerzen im Bewegungsapparat ganz oft mit Störungen der Organe zu tun haben, war klar, dass mir die Physiotherapie- und Osteopathieausbildung alleine nicht reicht und ich weiteres Wissen über Zusammenhänge zur Pathologie und inneren Medizin brauche.

Gesagt getan – meinen Ausbildungsschwerpunkt auf die Tierheilpraktik mit Schwerpunkt Akupunktur, Kräuter und Biologische Medizin sowie Ernährung ausgelegt. Heute habe ich erkannt, dass es gut ist, SpezialistInnen auf jedem Gebiet zu haben. Ich überweise meine Patienten gerne an Kollegen wie PhysiotherapeutInnen weiter, die andere Gebiete abdecken, so dass dem Tier ganzheitlich geholfen werden kann.

Was macht in deinen Augen einen guten Tierheilpraktiker/ eine gute Tierheilpraktikerin aus?

Wissen ist Macht – und wer weiß, wann er an seine Grenzen gekommen ist, handelt weise. 

Ein guter Heilpraktiker hat -neben dem ganzheitlichen Blick und der sensitiven Fähigkeit zu spüren und mit dem Tier in Kontakt zu treten – das Tier als Wesen anzuerkennen und nicht als Sache.

Auch fundiertes Wissen über bio-chemische Vorgänge im Körper und dass man weiß, wann die Grenze erreicht ist – also es zum Beispiel lebensbedrohlich wird und man akute Notfallmedizin braucht oder ein Tumor operiert werden sollte. 

Wie unterscheiden sich Tierheilpraktiker in ihren Methoden zu Tierärzten? 

Ich möchte hier nicht allgemein von TierärztInnen und TierheilpraktikerInnen sprechen, da ich nicht viel von Verallgemeinerungen halte. Wenn wir aber stereotypisieren, dann fragt der Tierarzt nach „Was ist es – wie kann ich es beseitigen/unterdrücken“ Er hat die Möglichkeit zu operieren und so im Notfall Sehnen und Bänder oder Knochen zu flicken, Gelenke zu ersetzen oder auch einen Tumor zu entfernen. Außerdem hat ein Tierarzt die Möglichkeit dem Tier den Weg über die Regenbogenbrücke zu ermöglichen, so dass es nicht weiter leiden muss, sollte der Zustand erreicht sein, in dem man nicht mehr helfen kann und es nur noch Leid und Schmerz gibt.

Der Tierheilpraktiker hat einen ganzheitlichen Blick auf das Tier und fragt „Wo kommt es her – wie kann ich die Ursache langfristig und natürlich regulieren?“ Außerdem schaut er, dass durch seine Behandlung der Körper nicht noch weiter geschwächt wird sondern eher Impulse gegeben werden, sich selbst zu heilen und zu stärken. 

Am Ende heilt weder der Tierarzt noch der Tierheilpraktiker.  Der Körper kann sich nur aus sich selbst heraus heilen. Wir können nur Anstöße und Hilfestellungen geben. 

Wann sucht man Tierheilpraktiker auf und wann wendet man sich besser an Tierärzte?

In lebensbedrohlichen Notfällen wie z.B. Unfällen, bei starkem Blutverlust, Vergiftung, Verbrennung oder einer Magendrehung bzw. Kolik sollte neben dem Tierheilpraktiker unbedingt auch ein Tierarzt hinzugezogen werden. Schön wäre es, wenn die medizinische Hilfe für Tiere kooperativ gelingt und Arzt und Heilpraktiker komplementär zum Wohle des Tieres zusammenarbeiten.

Wie ist die Nachfrage nach Tierheilpraktikern? Wie gesellschaftlich anerkannt ist dieser Beruf?

Da die Ausbildung zum Tierheilpraktiker nicht staatlich geregelt ist, variieren die Ausbildungen hinsichtlich deren Umfang, Tiefgang und Qualität extrem. Mittlerweile gibt es aber Ausbildungsinstitute, die sehr viel Wert auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung legen und auch weit über ein paar Wochenendseminare hinausgehen. Eine Professionalisierung hat hier noch nicht stattgefunden, so sehen viele die Heilpraktik immer noch sehr kritisch und von einer Anerkennung des Berufes im eigentlichen Sinne kann man nicht sprechen.

Jedoch wächst der Kreis derer, die selbst – oder deren Angehörige und auch Tiere – durch eine ganzheitliche Behandlung und mit der Kraft der Natur wieder genesen sind. Teilweise aus langen Leidensgeschichten. Somit wächst auch die Anerkennung der ganzheitlichen Heilmethoden in der Gesellschaft immer weiter.

Die Nachfrage ist dabei immer abhängig von der wirtschaftlichen Lage einer Region. Im Süden haben wir eine deutlich höhere Nachfrage – aber auch in Gebieten mit viel Landwirtschaft und Viehhaltung gibt es immer mehr TierheilpraktikerInnen, die hier vor allem auch Biolandwirten helfen ihre Tiere gesund zu halten. 

Darum geht es nämlich eigentlich: Prävention! Gesunderhaltung – oder wie die Chinesen sagen „Lebenspflege“ und nicht Heilung im Krankheitsfall.

Du bist außerdem Ernährungsberaterin für Hunde, Pferde und Nutztiere. Wer sind deine Kunden und wann ist deine Expertise gefragt? 

Meine Kunden in der Ernährungsberatung sind Tierbesitzer, die ihre Tiere gesund und artgerecht ernähren wollen. Entweder weil sie sich selbst gesund ernähren und das auch für ihre Tiere wollen oder weil sie durch die Fütterung von Fertigfuttern ihrem Tier leider zu einer Zivilisationskrankheit verholfen haben und nun eine gesunde Diät wünschen. 

Ganz oft ist aber die Diätetik ein Teil der Therapie. Gerade bei heftigem Juckreiz, ständigen Durchfällen oder weichem Stuhl, der Neigung zu Kotfressen von anderen Tieren oder einfach nur stumpfes Fell und Zahnstein sind Symptome, die bei der Grundfütterung ansetzen. 

Die Basis von Gesundheit ist immer die Ernährung.

Auf welche Aspekte sind bei einer ausgewogenen Ernährung für Tiere zu achten?

Vor allem, dass sie artgerecht ist. Stellen wir uns mal vor, was das Tier in der Natur fressen würde… 

Eine Katze frisst nicht das gleiche wie ein Hund und der nicht wie ein Schwein. Ein Pferd frisst nicht das gleiche wie eine Kuh und der Esel auch nicht. Die Details für jede Tierart übersteigen den Rahmen – aber ich frage mich immer wieder wieso man einem Fleischfresser Stärke als Energiequelle geben soll und einem Wüstentier (Katze), welches 90% seines Wasserbedarfs über das Futter deckt – Trockenfutter. Wie man darauf kommt, dass Pferde vergorenes Heu fressen sollen und ihnen täglich Getreide und Zucker anbietet, obwohl sie den ganzen Tag auf 5 qm stehen müssen und diese Energie gar nicht loswerden können. 

Denkst du, dass innerhalb Deutschlands ein Defizit bezüglich Tierfütterung besteht?

Ich glaube innerhalb Deutschlands gibt es genug Futter für alle Tiere – von einem klassischen Defizit möchte ich hier nicht sprechen. Die Straßenhunde in den südlichen Ländern ernähren sich von sehr viel weniger und schlechterem „Futter“ – sind natürlich auch oft krank, unterernährt und leben nicht so lange. Tatsächlich ist es so, dass in Deutschland viel zu viele adipöse Tiere leben, da sie mittlerweile oft als Kinderersatz dienen und zu sehr „verwöhnt“ werden. 

Ein Defizit besteht immer noch in der artgerechten Fütterung. Zu viele Menschen leisten sich Tiere, die sie am Ende nicht wirklich gut versorgen können. Und wie so oft ist gut gemeint nicht gut gemacht. 

Was hältst du von „normalem“ Tierfutter, das es im Einzelhandel zu kaufen gibt?

Fertigfutter aus dem Einzelhandel ist leider oft mit vielen Geschmacksverstärkern versetzt, enthält zu viel Stärke und selten hochwertige Proteine. Noch schlimmer sieht es oft bei dem Diätfutter aus. Da wird proteinarmes Futter als Nierendiät für Fleischfresser verkauft, womit ihnen komplett die Basis entzogen wird. Viel wichtiger ist es, auf hochverdauliches und hochwertiges Protein zu setzten, welches die Niere nicht weiter belastet. 

Es gibt immer mehr Futtermittelhersteller, die sich eine artgerechte und gesunde Ernährung auf die Fahne geschrieben haben. Auch BARF wird ja salonfähig – oder besser Tierbedarfsladen fähig? Gerade beim BARFEN lege ich aber jedem ans Herz die Ration einmal von einem Ernährungsberater gegenchecken zu lassen. Denn BARF ist nicht gleich BARF und nicht für jedes Tier ist diese Art der Fütterung die geeignetste. 

Welchen Tipp würdest du jedem Tierhalter mitgeben?

Überlegt euch gut ob ihr ein Tier artgerecht halten könnt bevor ihr es euch anschafft. Da spielt nicht nur die Ernährung eine Rolle, sondern auch die Haltung und die Beschäftigung. Legt den Fokus auf die Prävention, da habt ihr und eure Tiere mehr von. 

Wie definierst du Tierschutz? Was fällt für dich unter Tierschutz?

Das fängt bei der Haltung und Ernährung an – geht aber auch sehr viel weiter. Der Grundansatzpunkt ist in der Reflektion des eigenen Konsums. Je mehr wir konsumieren, desto kleiner werden die Lebensräume der Tiere, die einen wesentlichen Beitrag zum Gesamtsystem beitragen in dem wir alle leben.

Ich habe im Garten eine Wildblumenwiese, eine Trinkschale für Wildtiere und füttere im Winter die Vögel zu, da sie leider nicht mehr genug Insekten und Futter in freier Wildbahn finden. Außerdem haben die Wildtiere bei uns im Garten einen Bereich, in dem sie Zuflucht finden können mit Unterholz und viel Laub.

Tierschutz fängt vor der Haustüre an und endet mit der Minimierung des Konsums von Produkten welche Massentierhaltung unterstützen, Leid hervorrufen und Lebensräume von Tieren überall auf der Welt zerstören.

Ich bedanke mich bei Fransiska für die Beantwortung all meiner Fragen! Sie ist eine sehr inspirierende Persönlichkeit und ich merke immer wieder, mit wieviel Herzblut sie ihrer Berufung nachgeht. 🙂

About the Author

Lisa Joppich

Ist Tierschützerin aus Überzeugung und studiert Journalismus an der IU internationale Hochschule

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