Hundeschule Hundeversteher

Lea Stiedl ist 26 Jahre alt und zertifizierte Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin von dem BHV und der IHK. Vor fünf Jahren hat sie ihren Lehrgang abgeschlossen und ihr Zertifikat erhalten. Nun arbeitet sie in einer Hundetagesstätte und ist in ihrem Nebengewerbe „Hundeschule Hundeversteher“ als Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin tätig. Zum einen bietet sie Grundgruppenkurse an, in denen es um Basisübungen geht (Rückruf, Leinenführigkeit, Stadttraining) und außerdem auch Verhaltensberatungen (bei spezifischen Problemen).

Ich habe mich sehr gefreut, Lea interviewen zu dürfen und ihr folgende Fragen gestellt:

Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Mit Tieren habe ich schon immer gelebt und gearbeitet, jedoch ist es schwierig, sich in der Arbeit mit Tieren ein sicheres Standbein aufzubauen. Letztendlich zu meinem Beruf entschieden habe ich mich, weil ich 2013 innerhalb von einem halben Jahr zwei Hunde aus dem Tierschutz übernommen habe. Das war vielleicht mit gerade mal 18 Jahren ein bisschen übereifrig. Kurze Zeit später hatte ich so enorme Schwierigkeiten mit den Hunden, dass ich nicht mehr gerne mit ihnen rausgegangen bin oder ich zum Beispiel keinen Besuch bei mir zu Hause empfangen konnte – es war nur noch Stress.

Dann habe ich verschiedene Hundeschulen aufgesucht und habe mir angehört, was diese mir zur Lösung des Problems anbieten können. Es wurde häufig über oder mit Formen von Gewalt gearbeitet und das wollte ich nicht. Ich wollte meine Hunde nicht über Zwang dazu erziehen, gewisse Verhaltensweisen zu unterlassen. Außerdem gab es Hundeschulen, die nicht individuell auf meine Probleme eingegangen sind, sondern einfach nur allgemeine Lösungen hatten. Es war alles so schwierig, dass ich mich dann eigenständig schlau gemacht habe und mich dazu entschied, die Ausbildung zur Hundeerzieherin zu machen. Ich habe vorher auch schon Reitunterricht gegeben und wusste somit, dass ich gerne Menschen etwas beibringe.

Leas Schützlinge

Was denkst du, macht einen guten Hundetrainer/ eine gute Hundetrainerin aus?

Meiner Meinung nach ist es enorm wichtig, individuell auf das Tier und den Menschen einzugehen. Man sollte sich immer spezifisch darauf beziehen, was Hund und Mensch leisten können und welche Ziele die beiden zusammen erreichen möchten. Egal, ob jemand wegen Grunderziehung oder wegen Problemverhalten zu mir kommt, ich muss mich immer daran orientieren, auf welchem Trainingsstand das Team zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist, wo es hinmöchte und wie ich sie bestmöglich unterstützen kann diese Ziele zu erreichen. Um ein Team bestmöglich begleiten zu können, ist unter anderem ein fundiertes Wissen über Lerntheorien, Ausdrucksverhalten und Ethologie nötig. Einen guten Trainer macht weiterhin aus, dass er sein Wissen und die Anwendung davon so vermitteln kann, dass der Kunde auch ohne ihn seine neu erlernten Fähigkeiten nutzen kann.

Was sind die Basics der Hundeerziehung? Worauf sollte jeder Hundebesitzer achten?

Was meiner Meinung nach viel zu wenig vermittelt wird, ist das Hintergrundwissen über Lernverhalten. Die häufigsten Probleme entstehen, weil Hundeverhalten falsch interpretiert wird oder die Hunde vermenschlicht werden und daraus resultiert natürlich ein falscher Umgang mit dem Hund und den auftretenden Problemen. Basics wie Leinenführigkeit, dass mein Hund keine Menschen anspringt oder dass er im Wald nicht einfach los rennt um zu jagen, sind zwar wichtig, aber für die Umsetzung ist erst einmal die Aneignung von theoretischem Wissen nötig.

Was denkst du, welche Wichtigkeit die Arbeit von Hundetrainern und Hundetrainerinnen hat? Welche Folgen hat eine fehlerhafte Erziehung bei Hunden?

Die Wichtigkeit besteht aus meiner Sicht darin, dass man als Trainer hilft, zwischen Mensch und Hund zu vermitteln. Durch meine Arbeit trage ich dazu bei, dass es weniger Schwierigkeiten in den Teams gibt. Meine Trainingsmethode der positiven Verstärkung bedeutet das Belohnen von gewünschtem Verhalten und dadurch trage ich zu einem harmonischen und vertrauensvollen Zusammenleben bei. Ich distanziere mich von Training bei dem beispielsweise über den Leinenruck oder Wasser als Strafe gearbeitet wird. Fehlerhafte Hundeerziehung führt zum einen zu Schwierigkeiten mit Mitmenschen, weil der Hund beispielsweise nicht abrufbar ist, aber es kann natürlich auch zu Beißvorfällen kommen (mit Menschen, anderen Tieren oder Artgenossen). Im schlimmsten Fall kann die fehlerhafte Erziehung dazu führen, dass der Hund ins Tierheim kommt, wo er entweder als unvermittelbar gilt oder anderweitige Schwierigkeiten entwickelt.

Denkst du, du trainierst mit deiner Arbeit auch den Menschen und nicht nur das Tier?

Am liebsten möchte ich dem Menschen eine Handwerkskiste mitgeben, die er immer im Kopf hat, somit nutzen kann und durch die er weiß, wie er mit dem Hund in verschiedenen Situationen umzugehen hat. Es gab auch seltene Fälle, in denen ein Mensch körperlich nicht dazu in der Lage war, den Hund zu trainieren und dann trainiere ich Verhalten vor. Aber letztendlich trainiere ich immer den Menschen indem ich mein Wissen an ihn vermittle und ihn im Training anleite.

Was glaubst du, ist das Wichtigste im Umgang zwischen Mensch und Hund?

Es gibt so viele wichtige Dinge! Ich glaube, die meisten Menschen würden sagen, bedingungslose Liebe sei das Wichtigste. Natürlich ist Zuneigung unfassbar wichtig, weil diese die Bereitschaft des Menschen ausmacht, viel Zeit in das Tier zu investieren. Ich glaube aber – aufgrund von meiner Ausbildung – dass fundiertes Wissen eine große Rolle spielt und der Wille, etwas Neues zu lernen. Im Hundetraining entstehen immer neue Erkenntnisse und wir trainieren nicht mehr so wie vor 30 Jahren – dementsprechend ist das meiner Meinung nach mit am wichtigsten. Verständnis, Zuwendung und die Bereitschaft, für das Tier da zu sein sind wichtige Faktoren, da ich mich auf jegliche Weise für dieses Tier entschieden habe.

Denkst du, du trägst durch deine Arbeit zum Tierschutz bei?

Das hoffe ich auf jeden Fall! Gerade die gewaltfreie Arbeit (ohne psychischen oder physischen Druck) ist ein Teil vom Tierschutz, da Tiere sich nicht wehren können und dennoch bei Ihren Haltern bleiben müssen. Dementsprechend hoffe ich, dass ich durch mein Wissen und meine Methoden dazu beitrage, dass Hundehalter auf eine positive Art mit ihren Tieren umgehen. Auch dadurch dass ich zum Beispiel an Hundehalter appelliere, ihre Hunde nicht in Brut- und Setzzeiten in den Feldern stöbern zu lassen, trage ich zum Tierschutz bei, denn in den Feldern und hohen Wiesen liegen oft Kitze oder andere Jungtiere, die es zu schützen gilt. Hundehalter sind hier in der Verantwortung, die Wildtiere zu schützen.

Wie definierst du Tierschutz und was ist für dich Tierschutz?

Für mich persönlich ist Tierschutz, immer so mit Tieren umzugehen, dass sie weder physischen, noch psychischen Schaden durch das Zusammenleben mit uns davon tragen. Wir haben uns für die Tiere entschieden, also dürfen sie meiner Meinung nach auch keinen Schaden durch uns nehmen. Jeder Tierbesitzer steht dafür selbst in der Verantwortung. Tiere sollen kein unnötiges Leid erfahren, da sie nicht in der Lage sind, sich zu wehren. In meiner Ausbildung habe ich dazu einen schönen Satz gehört:

„Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.“

-Richard David Precht

Ich bedanke mich bei Lea für ihre Zeit und die offene und ehrliche Beantwortung meiner Fragen. Es war ein sehr angenehmes Gespräch und hat mir sehr viel Freude bereitet! 🙂

About the Author

Lisa Joppich

Ist Tierschützerin aus Überzeugung und studiert Journalismus an der IU internationale Hochschule

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