Während der aktuellen Pandemie ist es für viele nicht leicht: Unternehmen und Privatpersonen müssen schwere finanzielle Krisen durchleben- so unter anderem auch Tierheime, denn diese sind auf das freiwillige Agieren der Menschen in Form von ehrenamtlicher Arbeit und Spenden angewiesen. Beides fällt aufgrund der Pandemie größtenteils weg. 

Rund 60 Mio. Spendeneinnahmen für Tierheime des deutschen Tierschutzbundes seien es, die durch die Pandemie fehlen, so die Welt am Sonntag

Um für mehr Transparenz in Bezug auf diese Thematik zu sorgen, habe ich Tierheime aus meiner Region zu ihrer aktuellen Situation hinsichtlich Spenden, Helfer und anderer Faktoren in Bezug auf die aktuelle Pandemie befragt:

Statement Tierheim Ransbach-Baumbach

Die Mitarbeiter des Tierheimes Ransbach-Baumbach beschreiben ihre Arbeit während des ersten und zweiten Lockdowns mit den Schlagworten „Panik“ (Wie geht es jetzt weiter?), „Organisation“ und „Spendenrückgang“.

Die größten Veränderungen, die während der Pandemie im Tierheim stattgefunden haben, waren zum einen die Abschaffung der gewohnten Öffnungszeiten. Außerdem wurden Anfangs vermehrt Tiere abgegeben. Weitere Veränderungen sind dahin gehend festzustellen, dass die Dienstpläne der Mitarbeiter geändert wurden, um mit so wenigen Haushalten wie möglich in Kontakt zu treten, das Risiko einer Ansteckung zu minimieren und auch weiterhin die Tiere bestmöglich versorgen zu können. Außerdem musste das Tierheim sowohl im ersten, als auch im zweiten Lockdown für Gassigänger geschlossen bleiben, weshalb die Mitarbeiter seitdem gezwungen sind, vor und nach ihren Diensten mit den Hunden spazieren zu gehen. Auch Spendeneinnahmen sind während der Pandemie stark zurückgegangen.

Aktuell fehlt es dem Tierheim besonders an helfenden Händen, da viele ältere und vorerkrankte Menschen sich aufgrund der Angst vor Ansteckungsgefahr zurückziehen. Zudem kommen auch keine neuen Helfer dazu.

Meine Fragestellung nach einer subjektiven Meinung, ob und inwiefern Tierheime in Deutschland aufgrund der Pandemie bedroht sind, beantworten die Mitarbeiter mit einem klaren Ja, sofern die Situation weiter so anhalte wie aktuell.

Die Nachfrage nach Tieren ist während der Pandemie stark gestiegen. Allerdings wird aktuell vermehrt darauf geachtet, dass auch nach der Pandemie die familiäre und berufliche Situation mit der Haltung des Tieres zu vereinbaren ist. Tiere werden weiterhin nur nach positiver Vorkontrolle, mehreren Kennenlernterminen und Abstimmung im Team vermittelt. 

Unterstützung würden sich die Mitarbeiter im Namen des Tierheimes in Form von Pflegestellen für Hunde, Katzen und Kleintiere wünschen. Außerdem finanzielle Unterstützung, Unterstützung bei Vor – und Nachkontrollen von vermittelten Tieren und bei Tierarztfahrten.

Für das Jahr 2021 wünschen sich die Mitarbeiter, den Neubau des Tierheimes zu realisieren und somit ihren Schützlingen mehr Platz und ein besseres hygienisches Umfeld bieten zu können.

Ein besonderer Appell der Mitarbeiter geht an die Vernunft der Menschen, sich gut zu überlegen, ob sie auch nach dem Lockdown den Tieren gerecht werden können. Man solle sich bewusst sein, was man den Tieren damit antut, wenn man sie nach einiger Zeit wieder zurückgibt: „Für die Tiere ist dieses hin und her eine starke seelische Belastung und sie entwickeln oftmals starke Verlustängste, wenn sie zurück ins Tierheim müssen.“ 

Statement Tierheim Wiesbaden

Die Tierheimleitung des Tierheimes Wiesbaden beschreibt die Zeit des ersten und zweiten Lockdowns in drei Phasen: Zunächst schien alles ausgestorben, darauffolgend war Erleichterung festzustellen aufgrund der angepassten Öffnungszeiten und der damit einhergehenden gewonnen Zeit für die Tiere. Zum Schluss folgte Besorgnis darüber, was die Zukunft wohl bringen mag.

Eine der größten Veränderungen im Tierheim Wiesbaden seit der Pandemie ist unter anderem der fehlende Kontakt zu Leuten von außerhalb. Vieles fällt weg, wie zum Beispiel die Jugendgruppe, also eine Art AG von älteren und jüngeren Kindern, die sozusagen „Tierschutz lernen“. Auch die ehrenamtlichen Helfer, die täglich bei der Pflege der Tiere unterstützen, fehlen.

Mit fehlenden Einnahmen hat das Tierheim aktuell noch nicht allzu sehr zu kämpfen – sie kommen derzeit gut über die Runden. Viele Menschen haben auch trotz der Pandemie noch an das Tierheim gedacht, besonders in Form von Sachspenden während der Weihnachtszeit. Die Spenden konnten einen guten Start in das Jahr ermöglichen. Die Tierheimleiterin betont hier auch, dass das natürlich immer abhängig von der Gemeinde sei. Wie die finanzielle Situation des Tierheimes aussehen wird, wenn die Pandemie weiter anhält, ist von ihrer Seite aus schwer sagen, denn sie betont, dass auch immer nur Leute unterstützen können, denen es selbst finanziell gut geht.

Auch hier habe ich die Frage gestellt, ob eventuell eine Gefährdung von Tierheimen durch die Corona Pandemie besteht. Die Tierheimleitung ist sich da ganz sicher, da dies durch ebay und Co. auch vorher schon der Fall war.

Es gibt aktuell kaum staatliche Hilfen. Diese sind schwer zu beantragen, sprich durch viele Formalitäten und einen langen Warteprozess. 

Auch im Tierheim Wiesbaden ist eine deutliche Steigerung der Anfragen für Tiere festzustellen. Das ist dadurch zu erklären, dass viele Menschen Impulsiventscheidungen treffen, ganz nach dem Motto „Ich nehme das, was gerade da ist.“ Diese Handlungen sind oft nicht zu Ende gedacht und an solche Menschen werden durch das Tierheim Wiesbaden selbstverständlich keine Tiere vermittelt. Besonders im ersten Lockdown gab es viele Anfragen für Tiere, im zweiten weniger.

Zudem kommt noch dazu, dass viele Tierheime mit Problemfällen arbeiten. Das Training und die Beschäftigung bedarf qualifiziertem Personal. Nun ist es leider so, dass die Anzahl an Problemfällen stetig wächst und das Tierheim an seine Grenzen kommt. Die Leiterin des Tierheimes verweist auf deren Verantwortung für die bereits aufgenommenen Tiere und eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, die aufgenommenen Tiere in dieser wieder zu integrieren.

Unterstützung wünscht sich das Tierheim eher in Form von Mitarbeitern, denn an denen mangelt es noch etwas. Dem Staat gegenüber besteht dahingehend der Wunsch nach Unterstützung bezogen auf die Ausbildung zum Tierpfleger/ zur Tierpflegerin.

Covid-19 Erkrankungen bei Tieren wurden im Tierheim Wiesbaden nicht nachgewiesen. Es ist zwar allgemein nachgewiesen, dass der Mensch das Tier anstecken kann, es sei jedoch kein einziger Fall bekannt, in dem ein Tier den Menschen angesteckt hat. Das Risiko sei höher bei anderen Krankheiten. So gibt es zum Beispiel den Virus Parvovirose (eine blutige Darmentzündung), der hochansteckend ist.

Für das Jahr 2021 wünschen sich die Mitarbeiter des Tierheimes Wiesbaden zusätzliche Mitarbeiter, um sich die Verantwortung teilen zu können. Der persönliche Wunsch der Tierheimleitung ist das Überleben für alle Tierheime. Jedes Tierheim solle weiter bestehen. Sie wünscht sich, einfach weiterhin Tierschutz betreiben zu können.

Zum Schluss gibt es auch hier noch den Appell im Namen des Tierheimes Wiesbaden, zum Wohl des Tieres das eigene Ego zurückzuschrauben, auch in so einer schwierigen Zeit wie dieser.

Mein Fazit

Der Austausch mit den Tierheimen hat mir gezeigt, wie unterschiedlich deren Situationen innerhalb Deutschlands sind und ich würde mir wünschen, dass auch in diesen schwierigen Zeiten die Tiere nicht vergessen werden.

Bitte schafft euch nicht einfach ein Tier für den Zeitvertreib an. Es handelt sich nach wie vor um Lebewesen und es ist wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, ob man auch nach der Pandemie noch gut genug für das Tier sorgen kann.

Ich bedanke mich für die Zeit und die offene Beantwortung meiner Fragen bei den Mitarbeitern des Tierheimes Ransbach-Baumbach. Außerdem bedanke ich mich bei der Tierheimleiterin des Tierheimes Wiesbaden für das Gespräch und auch hier für die Zeit.

Sowohl diesen beiden, als auch allen anderen Tierheimen, wünsche ich von Herzen nur das Beste! Auch ich wünsche mir, dass alle Tierheime bestehen bleiben können, um das gemeinsame Ziel des Tierschutzes weiterhin zu verfolgen. 🙂

About the Author

Lisa Joppich

Ist Tierschützerin aus Überzeugung und studiert Journalismus an der IU internationale Hochschule

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